Stand gegen 16.00 Uhr: Über 70.000 Menschen protestieren

Über 70.000 Menschen protestieren für bessere Bildung – Bildungsstreik-Aktive zeigen Stärke und untermauern ihre Forderungen

09.06.10. Am heutigen Mittwoch, den 9. Juni 2010, gingen erneut über 70.000 Menschen (Stand: 15.35 Uhr), darunter vor allem Schüler_innen, Studierende und Auszubildende, in über 40 Städten gemeinsam auf die Straße, um für ein demokratisches, frei zugängliches, selbstbestimmtes und ausreichend öffentlich finanziertes Bildungssystem zu demonstrieren. Unter anderem kam es zu Besetzungen und längeren Straßenblockaden. Besonders zahlreich waren die Proteste in Berlin, Dortmund, Stuttgart, Freiburg und Münster. Die Proteste halten zur Stunde mancherorts noch an. Demozüge in weiteren Städten starten erst noch. Darüber hinaus gibt es heute auch Bildungsproteste in Salzburg und Wien. Die Aktionswoche des Bundesweiten Bildungsstreik dauert noch bis zum 11. Juni.

Die Demonstrantinnen und Demonstranten forderten erneut ein selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungs- und Konkurrenzdruck. Sie kritisierten die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre sowie die Bachelor- und Masterstudiengänge in der derzeitigen Form. Sie lehnten die von zahlreichen Politiker_innen vorgeschlagenen Kürzungen bei Bildungshaushalten entschlossen ab und betonten, dass es trotz Wirtschaftskrise wichtig sei, kleinere Klassen einzurichten, mehr Lehrpersonal einzustellen und individuelle Förderung zu ermöglichen. Eine Wirtschaftskrise dürfe nicht auf Kosten einer neuen Bildungskrise angegangen werden.

“Gute Bildung braucht Muße und Ressourcen wie Zeit und Geld. Sie darf nicht auf reine Wissensvermittlung reduziert werden, sondern sollte auch einen gesellschaftsreflektierenden Ansatz verfolgen, der es Menschen ermöglicht, zu kritikfähigen Individuen heranzureifen”, sagt René Hornstein, Student aus Osnabrück.

Da ein freier Bildungszugang für alle Menschen gegeben sein sollte, müssten sämtliche Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren abgeschafft werden. Der Zugang zu Bildung dürfe weder durch künstliche Barrieren beschränkt werden, noch vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Da Millionen Menschen vom Zugang zu höherer Bildung aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder einer Behinderung ausgeschlossen seien, würde die gesellschaftliche Entwicklung gebremst. Deshalb sei die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems aufzuheben und bundesweit eine Schule für alle einzurichten. Nicht die Kinder hätten sich den Schulen anzupassen, sondern die Schulen den Kindern. Es seien inklusive Schulen, in denen nicht-behinderte Kinder und behinderte Kinder klassenübergreifend gemeinsam unterrichtet werden, schnell umzusetzen und die massive soziale Selektion zu beenden. Gleichzeitig forderten die Protestierenden die Organisation der deutschen Bildungseinrichtungen weitgehend in die Hände der Betroffenen zu legen.

“Da Schüler_innen, Auszubildende und Studierende am besten wissen, was sie lernen möchten, wollen wir mehr Mitbestimmungsrechte”, so André Auge, Schüler an der Christophorus- Förderschule in Bonn, und ergänzt: “Inklusive demokratische Schulen sind möglich. Pädagogische Konzepte dieser Art werden längst umgesetzt und erhalten bedeutende Schulpreise. Warum sie nicht in allen öffentlichen Schulen angewandt werden, ist für uns unverständlich und stellen eine Behinderung des gesellschaftlichen Fortschritts dar.”

Die Aktiven des Bildungsstreiks richten ihre Proteste insbesondere gegen die Kürzungen, die von einigen Ländern im Bildungsbereich vorgenommen werden sollen. Diese könnten die Privatisierung öffentlicher Bildungseinrichtungen begünstigen. Damit sei die Unabhängigkeit der Bildungseinrichtungen, von Schulen und Hochschulen, von Lehre und Forschung, in Gefahr. Die Aktiven des Bildungsstreiks beobachten eine zunehmende Privatisierung öffentlicher Güter und Dienstleistungen. Diese Ausrichtung nach wirtschaftlichen Interessen lehnen sie ab und fordern eine ausreichende Finanzierung der Bildung durch die öffentliche Hand.

“Solange die Missstände im deutschen Bildungssystem bestehen bleiben, werden die Aktiven des Bildungsstreiks weiter auf die Straße gehen”, so sind sich die Bildungsstreiker_innen einig.

4 Kommentare zu „Stand gegen 16.00 Uhr: Über 70.000 Menschen protestieren“

  1. Bildungsstreik zog gestern erste Bilanz – 85.000 Menschen auf der Straße! « Unabhängiges Fachschaften-Forum sagt:

    [...] Bildungsstreik zog gestern erste Bilanz – 85.000 Menschen auf der Straße! Von ufafomuenster Pressemitteilung 1: Am 9. Juni 2010 gingen erneut über 70.000 Menschen (Stand: 15.35 Uhr), darunter vor allem Schüler_innen, Studierende und Auszubildende, in über 40 Städten gemeinsam auf die Straße, um für ein demokratisches, frei zugängliches, selbstbestimmtes und ausreichend öffentlich finanziertes Bildungssystem zu demonstrieren. Unter anderem kam es zu Besetzungen und längeren Straßenblockaden. Besonders zahlreich waren die Proteste in Berlin, Dortmund, Stuttgart, Freiburg und Münster. (Weiter) [...]

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  2. Bildungsstreik am 09.Juni « Linke und kritische StudentInnen Erlangen sagt:

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  3. Bundesweiter Bildungsstreik « Linke und kritische StudentInnen Erlangen sagt:

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  4. 800 beim Bildungsstreik im Tal « Bildungsbündnis Wuppertal sagt:

    [...] Bundesweiter Bildungsstreik: Über 70.000 Menschen protestieren [...]

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