Erklärung zu Verbindungen und Burschenschaften

Folgende Erklärung wurde vom Plenum des Bundesweiten Bildungsstreiks 2009 in Berlin beschlossen.

Das Projektbündnis Bildungsstreik 2009 lehnt jede Form von Sexismus, Nationalismus und Rassismus ab. Daraus folgt, daß Studentenverbindung jeder Couleur hier keinen Platz haben. Die Traditionen und Strukturen dienen der Reproduktion von Rassismus, Elitedenken, Diskriminierung und Sexismus. Ausdrückliches Ziel von Verbindungen ist die Schaffung und der Machterhalt gesellschaftlicher Eliten, so der ehemalige Innenminister der BRD Manfred Kanther: «Wir wollen auch weiterhin nationalgesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft entsenden.» (Quelle: M. Kanther, 1990)

Ausschluß und öffentliche, strukturelle Diskriminerung von Frauen ist fester Bestandteil ihrer Ideologie. Dies wird u.A. durch Äußerungen wie: «Unser Burschenbrauchtum ist immer auf eine männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das männliche ausgerichtet.» (Burschenschaftliche Blätter 1980) und «Corpsstudenten sind Männer, eine Integration des weiblichen Geschlechts würde als Fremdkörper wirken, einem Freundschaftsbund hinderlich.» (Deutsche Corpszeitung, 1983) belegt.

Zentraler Bestandteil des burschenschaftlichen Männlichkeitsideal ist Härte und Gewalt, sowohl gegen sich selbst, als auch gegen andere. Dies zeigt sich nicht nur in der Tradition Mensur, sondern beispielsweise auch im systematischen Einsatz von Alkohol zum Zwecke der Erziehung sowie in der hierarchischen Durchstrukturierung des ‘Hauses’.

Hieraus folgt, daß Mitgliedschaft oder Identifizierung mit den Zielen studentischer Verbindungen im Widerspruch zu unserem emanzipatorischen Politikverständnis stehen.

62 Kommentare zu „Erklärung zu Verbindungen und Burschenschaften“

  1. Interessierter Leser sagt:

    “Michael sagt:
    30. Mai 2009 um 18:29
    LEUTE, bitte versteht es doch: es gibt keine “Organisatoren”/kein vorgegebenes Leitbild des Bildungsstreiks.”

    -> Bitte korrigiert mich wenn ich falsch liege, aber wie kann eine Bewegung ohne den Ansatz einer (natürlich demokratisch gewählten) Leitenden Ebene bzw. einer Struktur etwas bewegen? Für mich sieht das wie ein Ameisenhaufen aus, mit dem Unterschied, dass die Ameisen im Gegensatz zum Bildungsstreik sehr wohl Organisiert ist.
    Das ist im höchsten Maße INEFFIZIENT, INFFEKTIV und verschwendet unglaublich viel ENERGIE
    - So wird das auf keinen Fall zu einem, für die Studierenden, zu einem positiven Ergebnis führen.

    Gruß Interessierter Leser

  2. Alfons Huber sagt:

    Das erinnert mich an meine Studentenzeit. Ich genoß 2 Semester Totausfall weil monatelang gestreikt wurde. Aber immerhin konnten wir dann so richtig in der freien Marktwirtschaft malochen, um als Arbeiterkinder dann während der regulären Studierzeit auf eigenen Beinen stehen zu können. Wir machten einen noch überall anerkannten Diplomabschluß. Wir lachen damals über die englischen Schlosser, die sich Maschinenbauingenieure nannten.

  3. Benjamin David sagt:

    Hallo,

    man sieht dass das mangelhafte Bildungssystem seine Spuren hinterlässt, wenn schon Studenten Intoleranz gegenüber Verbänden predigen, nur weil sie diesen nicht angehören und sich nicht informieren wollen. Als couleurtragende Studenten, die einer Turnerschaft angehören, sind wir, ebenso wie alle Angehörigen von Landsmannschaften und vielen anderen Verbinungstypen völlig unpolitisch (was so viel bedeutet wie: jeder kann seine Meinung vertreten, die Verbindung schreibt hier nichts vor und schützt die persönliche Freiheit in politischen Dingen).

    Wenn es frauenfeindlich ist, Damen nicht dazu zu zwingen bei _einzelnen_ Veranstaltungen dabei zu sein, welche Frauen im Gegensatz zu Männern oft als anstößig empfinden (studentisches Fechten) oder welche diese nur langweilen würden (Zusammenkünfte zur Planung anstehender Veranstaltungen und Engagements der Verbindung, die sogenannten Convente), dann bin ich gerne frauenfeindlich, denn dieß scheint der neue Begriff für gutes Benehmen zu sein.

    Es gibt gemischte sowie reine Frauenverbindungen (die, männerfeindlich wie sie sind, keine Männer aufnehmen!), in denen Frauen einen Platz finden. Derer gibt es sogar fechtende und auch in allen anderen Punkten pflegen sie die selben Traditionen der Verbindungsstudenten wie auch reine Männerverbindungen. Diese Rituale sind übrigens keinesfalls satanistische Todesrituale oder dergleichen sondern bestehen meißt nur aus gesellschaftlichem Zusammentreffen an verbindungsstundentisch geschichtsrelevanten Orten.

    Zum Thema unpolitisch: Seit wann ist es in Deutschland verboten, konservative Werte zu vertreten, nur weil einige Spätjugendliche meinen konservative Werte würde die konservierung der politischen Werte des Nationalsozialismus bedeuten? Die CDU/CSU ist ohne Zweifel eine wertekonservativ ausgerichtete Partei, warum wurde diese denn noch nicht verboten? Richtig, weil jeder das Recht auf die Meinung hat, dass die Politik gestern noch besser war als sie heute ist. Als politisch konservativ gelten übrigens nur Burschenschaften, welche eine von zig verschiedenen Verbindungstypen darstellt, von denen jede ihre eigenen Wertvorstellungen hat und so wird die komplette bandbreite an verschiedenen Weltanschauungen vertreten und jeder findet seinen Platz wenn er einer Studentenverbindung beitreten will. Jeder Student, der ein paar Freunde um sich schart könnte jederzeit eine neue Verbindung eröffnen und ihr einen völlig neuen Namen und Typ verpassen, sofern er es schafft, diese zu etablieren.

    Wie alle anderen Studenten arbeiten wir für den Erfolg, der auch nicht jedem gegönnt ist. Ja, wir werfen einen Blick auf unsere Freunde, die wir im “Fach-”Jargon Bundesbrüder nennen, egal ob es um soziales Leben, Studium oder irgendetwas anderes geht, denn wir sind nun einmal Freunde und sehen es so als freundschaftliche Pflicht, uns gegenseitig zu unterstützen. Dies wird uns niemand nehmen, auch wenn man wie zur Zeit der Weltkriege Studentenverbindungen verbietet oder versucht zu unterwandern.

    Wenn jetzt noch jemand erklären kann, was an Verbindungsstudenten “elitär” ist, würde ich mich sehr freuen, denn ich verstehe es bis jetzt noch nicht. Ja, wir knüpfen diverse Kontakte, sprich Bekanntschaften, zu vielen anderen Verbindungsstudenten und haben so Anlaufstellen wenn wir Praktika, Jobs, etc. suchen, was die Suche erleichtert. Dies rechtfertigen zu müssen schmerzt nun wirklich, denn wir Verbindungsstudenten erhalten uns diese Bekanntschaften nicht, um jemanden auszustechen oder dergleichen, sondern aus purer Sympathie. Doch so viel sei gesagt: Nur weil wir manchmal die Gelegenheit sehen, die andere auf ihrer Suche nicht finden, erhöht das keineswegs die Chancen als unfähiger, unmotivierter Mensch an die Stelle zu kommen für die man sich bewirbt.

    Es schmerzt jedes Pfingsten in Coburg Menschen zu sehen, die unter der Flagge der Antifa wilde Parolen gegen Burschenschaften auf Landsmannschaften und Turnerschaften, die sich dort treffen, loslassen. Völlig unpolitische Vereine, die seit jeher für Toleranz stehen (das Toleranzprinzip ist in jedem mir bekannten Bund fest verankert) in der Öffentichkeit als Rechtsextrem anzuprangern verbreitet genau diese uninformierte publike Meinung, die man als Verbindungsstudent hier wieder einmal über sich ergehen lassen muss.

    Zitat: «Wir wollen auch weiterhin nationalgesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft entsenden.»
    Völlig richtig, das wollen wir. Ist “nationalgesinnt” jetzt auch im Lexikon als Synonym für “rechtsextrem” aufgeführt? Ich glaube nicht, und zwar zurecht. Jeder der in Deutschland lebt und aktiv an der Gestaltung des Staates mitwirkt kann auf eine vielzahl großer Leistungen der BRD zurückblicken, wozu kein Nationalsozialismus und kein Fremdenhass zählt. Die politische Unabhängigkeit wurde uns zurückgegeben und wir haben gezeigt, dass wir mit ihr verantwortungsbewusst und konstruktiv umgehen können, was der Protest von Studenten and deutschen Universitäten einmal mehr beweist.

    Zitat: «Unser Burschenbrauchtum ist immer auf eine männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das männliche ausgerichtet.»
    Dieses Zitat kann ich so in der Tat auf keinen Fall unterstreichen und ich kann nur hoffen, dass es aus dem Zusammenhang gerissen worden ist. Es mag nämlich 1980 noch wesentlich mehr der Wahrheit entsprochen haben, jedoch ist es keineswegs das Ziel irgendeiner Studentenverbindung. Wie vieles anderes sind _EINZELNE_VERBINDUNGSTYPEN_, jedoch bei weitem nicht alle, eine reine Männerdomäne, da sie einen mehr männlichen als weiblichen Charakter aufweisen, was es jedoch keiner Frau verbietet, sich eine solche Verbindung anzusehen und sich darüber zu informieren. Bisher wird jedoch durchgängig die Erfahrung gemacht, dass Frauen nicht verboten sind, sondern dass man sich darum wenig Gedanken macht, da Frauen in genau diese Verbindungen nicht eintreten wollen, sondern bei sich als solche präsentierenden gemischten oder reinen Frauenverbindungen wesentlich wohler fühlen.

    Gewalt ist für uns definitiv kein Mittel, dass sich in der Öffentlichkeit durchsetzen sollte, die Bestimmungsmensur zielt darauf ab, sich einem Risiko auszusetzen, vor der man mit Gelassenheit und Konzentration auch in einer solchen Extremsituation nichts zu befürchten hat und jeder, der eine solche Partie absolviert ist sich absolut im Klaren darüber, was er tut und wird von einem Fechtmeister sowie von erfahrenen Verbindungsmitgliedern diverse Semester lange auf Herz und Nieren geprüft und trainiert, bevor er sich dieser überhaupt Stellen darf. Und selbst wenn es zu einer Verletzung kommt ist dies nicht mehr als ein Schnitt mit dem Küchenmesser. Zahlreiche Extremsportarten weisen eine wesentlich geringere Vorbereitungszeit, ein viel höheres Risiko und eine erheblich höhere Verletzungsgefahr vor, wobei es dort obwohl genauso freiwillig wie die Bestimmungsmensur ist, niemand als anstößig bezeichnen würde.

    Auch Verbindungsstudenten, vor denen viele ihre Vorurteile hegen, zahlen Studiengebühren und gehen zu Vorlesungen, weitere Bedinungen kann es wohl kaum geben um sich engagieren zu dürfen.
    Warum müssen Verbindungsstudenten ihr Engagement überhaupt rechtfertigen?

    • Caro sagt:

      Applaus!
      Kann ich nur unterstützen.

  4. Ein Burschenschafter sagt:

    Ich bin Burschenschafter, meine Verbindung ist farbtragend und fakultativ Schlagend.
    Zu den Anschuldigungen brauch ich wohl nichts mehr zu sagen, da das sogut wie jeder Vorredner schon getan hat.
    Es bleibt mir noch zu sagen, dass auch Burschenschaften nicht pauschal als rechtsradikal eingestuft werden können. Auch wenn es sicherlich Burschenschaften in der rechten Ecke gibt ist der Großteil weit weg von rechtsradikalem Gedankengut.

    Zum eigentlichen Thema… Ich habe mir mit einigen Verbindungsstudenten überlegt mit Band auf ne Demo zu gehen und uns dem Bildungsstreik anzuschließen. Nicht um zu provozieren oder Stress anzufangen, sondern um zu zeigen, dass auch Verbindungsstudenten sich dem Bildungsstreik anschließen. Wenn man für eine gemeinsame Sache demonstriert, was macht es für einen Unterschied wenn einer davon ein Band trägt?

    Da durch diesen Beitrag Verbindungsstudenten allerdings im höchsten Maß beleidigt und ausgeschlossen werden, werde ich mich dieser Bewegung nun sicherlich nicht anschließen.

    Ich kann absolut nicht nachvollziehen was die Diskussion über Verbindungen im Zusammenhang mit der Thematik Bildungsstreik zu suchen hat. Dadurch wird eine große Gruppe an Studenten ausgegrenzt, aus Gründen die nichts mit den Zielen des Bildungsstreiks zu tun haben können.

    Egal ob man für oder gegen Verbindungen ist, hier hätte man, als Studenten, gemeinsam gegen die Fehler des Bildungssystems demonstrieren können.

  5. Roland sagt:

    Die Welt der Studierenden ist bunt – das war sie schon immer. Soll doch jeder Vereinen beitreten wie er mag. Nicht jeder mag jeden Verein – aber sich gegenseitig tolerieren sollte immer noch möglich sein. Ich denke, den Machern dieser Erklärung geht es weniger um gute Bildungsmöglichkeiten für alle, sondern darum, ein im Kern intolerantes Weltbild durchzusetzen. Schade eigentlich…

    • Firenze sagt:

      Ich sags mal so
      - NEIN –
      Unsere Welt ist bunt, ihr aber seid ganz und gar keine Bereicherung fuer dieses Spektrum

  6. Peyman J. sagt:

    Zunächst einmal halte ich die Bestrebung zur Verbesserung der Lehrsituation an den Hochschulen wichtig und möchte mich für eure Anstrengungen bedanken.

    Jedoch würd ich gerne wissen wer hier die intolerante Linie gegenüber Verbindungen festlegt.

    Hintergrund:
    ich bin gebürtige Iraner und seit 2006 Mitglied einer Burschenschaft. Zudem war ich lange Mitglied der Jusos (Geschäftsführer der Jusos Koblenz 2002) und seit kurzem bei den Linken aktiv.

    Mein Statement:
    Ich habe in den letzten 4 Jahren in denen ich auf dem Burschenschaftshaus gewohnt habe, aktiv war und immer noch bin, noch kein einziges mal, rassismus oder Elitedenken gespürt geschweige denn erlebt. Dies trifft sowohl auf unsere aktive Mitglieder (Studenten) zu, wie auch auf die Ehemaligen.
    Und ihr könnt davon ausgehen dass ich diesbezüglich recht sensibel bin!

    Fest steht jedoch, das das Prinzip Freundschaft bei uns im Vordergrund steht. Weiterhin sind andere Minderheiten wie Homosexuelle selbstverständlich vertreten.

    Ich möchte nicht behaupten das dies für alle Verbindungen gilt, zumal ich selber andere rechtsorientierte Bünde kenne, die ich für ein Sammelbecken für frustrierte Neonazi´s halte.

    ABER: ist es nicht gerade an uns, einen differenzierten Umgang zu pflegen und mit guten Beispiel voran zu gehen, statt das gleiche Verhalten in die andere Richtung an den Tag zu legen?

    Einige Fragen:
    Wie fühlt sich eine liberale Verbindung wenn sie mit solche pauschalurteile konfrontiert wird?
    Sollten wir nicht erst hinschauen statt voreilig Vorurteile zu bedienen? Ist es nicht gerade das was wir an die Rechten aussetzen -das sie aufgrund von Herkunft Menschen abwerten-?

    Ich möchte zum weiteren daran erinnern das einige große Menschen Verbindungsstudenten waren: Karl Marx, Heinrich Heine und Friedrich Nietzsche etc.

    Wer sich eine objektive Meinung hierzu bilden möchte, schaue sich den Wikipedia-Artikel dazu an:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Studentenverbindung
    http://de.wikipedia.org/wiki/Burschenschaft

    Bitte um Stellungsnahme diesbezüglich.

    Mit freundlichen Grüßen

  7. Urs Noetzelmann sagt:

    …tja das sagt dann mal wieder Alles.

    Wir hatten sogar überlegt ob unsere Verbindung mit allen Bundesbrüdern und BundesSCHWESTERN den Streik unterstützt.

    Nachdem hier aber wieder offensichtlich die Selben unkoordinierten, verbohrten und palttitüdendreschenden Ewiggestrigen unterwegs sind, werden wir uns lieber auf unserer “elitären Ebene” mit den Leuten auseinandersetzen die wirklichen Einfluss haben (wer es nicht gemerkt hat: das war Sarkasmus).

    Schade. Dann halt nicht. WIR wollten solidarisch sein.

  8. Eine Studentin sagt:

    Ich finde es traurig, dass ich mich, obwohl ich die Werte und Ziele des Bildungsstreiks für absolut richtig erachte und diese auch durchsetzen möchte, von Demonstrationen und Diskussionen fernzuhalten habe, weil ich einer Damenverbindung angehöre.
    Es ist wirklich schade, dass der Bildungsstreik zweckentfremdet wird, um hier wieder ewige Hasstiraden gegen Verbindungsstudenten loszulassen. Man sollte meinen beim Bildungsstreik geht es um ALLE Studenten: Weiße, Schwarze, Muslime, Christen, Atheisten, Juden, Korporierte und Nichtkorporierte, schließlich studieren wir doch gemeinsam.

  9. Burschen-Leaks: Interna aus den Burschenschaften veröffentlicht « The Dead Cat Bounce sagt:

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