PM: Der Bildungsstreik hat schon begonnen

Bildungsstreik hat schon begonnen – Besetzungen, Streiks und demnächst Blockaden – Forderungen aber noch unerfüllt

Berlin. Seit einer Woche haben Studierende begonnen, zentrale Hörsäle in Hochschulen wie Potsdam, Münster, Heidelberg, Marburg, München, Paderborn, Darmstadt, Mönchen-Gladbach, Greifswald, Dresden und Tübingen zu besetzen. Weitere Besetzungen sind geplant. Der Bundesweite Bildungsstreik hat damit eine neue Qualität erreicht. Dies zeigt, dass die Betroffenen sich weiterhin wehren und für eine freie, selbstbestimmte Bildung zu kämpfen bereit sind.

Eine Folge der Ignoranz
“Die Verschärfung des Protests ist die logische Folge der Ignoranz der politisch Verantwortlichen. Wir wollen echte Veränderungen im Bildungssystem, einen öffentlichen Diskurs darüber werden wir notfalls erzwingen”, so Michael Dunker, Student und engagierter Bildungsstreikender aus Münster.

Miteinander, nicht mehr nebeneinander
Der Bildungsstreik im Herbst wird auf einem anderen Niveau stattfinden. Erstmals soll es am 17. November 2009 in Deutschland und Österreich zu gemeinsamen Bildungsprotesten kommen. Wo früher Studierendenschaften nebeneinander protestierten, ist heute ein internationaler Zusammenhang hergestellt. Probleme wie Ãœberregulierung, zu hohe Arbeitsbelastung, Prüfungsdruck, Anwesenheitskontrollen, u.v.m. können nun gemeinsam angegangen werden.
“Seit über 14 Tagen halten wir die größten Hörsäle der Unis in Österreich besetzt. Unsere Bewegung breitet sich weiter aus. Der “Bologna-Prozess” sorgt überall für die gleichen Probleme. Deshalb brauchen wir praktische Solidarität und gemeinsame Proteste in allen Ländern. Die grenzübergreifende Vernetzung und der internationale Aktionstag um den 17. November sind ein erster Schritt in diese Richtung”, so Robert Pospichal von der Technischen Universität Wien.

KMK muss Nachsitzen
Da sich die Kultusministerkonferenz (KMK) nach dem Bildungsstreik im Juni in Andeutungen ergeht, konkrete Vorschläge vermissen lässt und die SchülerInnen bewusst ignoriert, rufen die Bildungsstreik-Bündnisse zur Blockade der KMK am 10. Dezember in Bonn auf. Ihr Ziel ist es, unter anderem Kopfnoten und das G8-Turbo-Abitur endlich loszuwerden. Darüber hinaus fordern sie kostenlose Bildung für alle, kleinere Klassen und mehr Mitspracherechte. Alles das wird in der Erklärung der KMK mit keinem Wort erwähnt.
Paula Rauch, Schülerin in Berlin, meint dazu: “Wer 270.000 Menschen einfach ignoriert, muss Nachsitzen. Deshalb werden wir die nächste Gesprächsrunde der Kultusminister belagern.” Der Widerstand geht weiter!

Kontakt:
Robert Pospichal, Aktivist TU Wien, Tel. 0043-650 974 1234
Paula Rauch, Schülerin Berlin, Tel.: 0163-384 21 78
Jörg Rostek, Student Münster, Tel.: 0172.586 83 64

8 Kommentare zu „PM: Der Bildungsstreik hat schon begonnen“

  1. Twitgeridoo sagt:

    Ein “echter” Bildungsstreik, der diesen Namen auch wahrhaftig verdient hat, war schon lange überfällig. Im Sommer ist dabei ja leider nicht allzu viel dabei herum gekommen und das Medienecho ist viel zu schnell verstummt…

  2. Dr. Yang sagt:

    Finde ich gut, dass auch in Bielefeld jetzt das Audimax besetzt wird. Und ich stimme Twitgeridoo absolut zu, dass in der Bildungspolitik schon seit mindesten 10 Jahren was schief läuft. Lasst mal bitte einen jeden Studenten vor eine Klasse mit 30 Jugendlichen treten und guckt, wie er sich verhält. Dann bewertet mal den Lehramtsstudiengang mit seiner unermesslichen Praktizität (?!?).

  3. Zu den europaweiten Studentenprotesten « Ganztagsschulen-Blog sagt:

    [...] Universitäten (Ãœbersicht über besetzte Universitäten) bislang nur am Rande wahrgenommen. „Der “Bologna-Prozess” sorgt überall für die gleichen Probleme. Deshalb brauchen wir pra… Auch wenn die konkreten Forderungen auseinander gehen, so steht im Fokus aller der Protest an der [...]

  4. PM: Der Bildungsstreik hat schon begonnen sagt:

    [...] Miteinander, nicht mehr nebeneinander Der Bildungsstreik im Herbst wird auf einem anderen Niveau stattfinden. Erstmals soll es am 17. November 2009 in Deutschland und Österreich zu gemeinsamen Bildungsprotesten kommen. Wo früher Studierendenschaften nebeneinander protestierten, ist heute ein internationaler Zusammenhang hergestellt. Probleme wie Überregulierung, zu hohe Arbeitsbelastung, Prüfungsdruck, Anwesenheitskontrollen, u.v.m. können nun gemeinsam angegangen werden. Den originalen Beitrag finden Sie hier http://www.bildungsstreik.n … | Benni [...]

  5. Montag: Bildungsstreikauftakt in Wuppertal ‹ aber aber Arne … sagt:

    [...] Sicher ist nur: Es wird Montag zu einem schnellen Ergebnis kommen, denn für Dienstag den 17.11. ist ein gemeinsamer Bildungsprotest-Tag in Österreich und Deutschland geplant. [...]

  6. Otto sagt:

    Viele US Universitäten, von denen sich Deutschland den Bachelor und Master abgekuckt hatt kehren inzwischen zurück zum Diplom!

    Deutschland schafft sich gerade ein Bildungssystem, das aus den USA stammt, aber dort inzwischen wieder abgeschafft wird…

    Beispiele US-amerikanischer Universitäten, die inzwischen den Weg zurück zum Diplom gefunden haben:

    - die Colorado State und die Carnegie Mellon Universitäten mit dem:

    „Accelerated BSc/MSc-Modell”

    – das MIT und die University of South Florida, mit dem sogenannten:

    „Five Year Dual Programme”.

    – und noch viele mehr, wie z.B. University of Maryland mit dem

    “Combined MS/BS-Programm” .

    Alles Studiengänge, die unserem Deutschen Diplom / Magister nachempfunden konzipiert wurden.
    Und die Liste US-Amerikanischer Universitäten, die Diplomähnliche Studiengänge z.Zt. gerade vorbereiten, kann ohne weiteres fortgesetzt werden..

    Der Bologna-Prozess ist kein verbindlicher Vertrag! Deutschland könnte also jederzeit zurück zum Diplom!

  7. Melanie Gatzke sagt:

    hallo otto,
    richtig so.
    Es gibt immer ein “zurück”, was sich nicht bewährt , muß man ändern.
    Willkommen bei Bachelor- und Master-
    bedeutet- Geselle und Meister.
    Pauken -lernen- Wissen abfragen, Schule eben- statt Wissenschaft -Lehre und Forschung lernen-begreifen-forschen- studieren- nicht nur auswendig lernen.
    Wo bleibt der wissenschaftlich denkende Mensch?
    Das kann nicht das Bildungsideal für heute und morgen sein
    Weiter so, fangt an zu denken, und macht der Politik mal Beine, damit die sich endlich bewegen- aber in die richtige Richtung..
    Es ist eure Zukunft, sorgt dafür. Es muß Schluß sein mit vertrösten, versprechen und all diesen Ablenkungsmanövern. Es ist Zeit zum Handeln, geredet wurde genug.
    Ihr habt unsere Solidarität!
    Grüße
    aus München.

  8. Sandra sagt:

    Es ist fraglich, ob ein “Nachsitzen” heute noch genügt um die zwingend erforderlichen Veränderungen zu erwirken.
    Es ist eine Frage, ob dieser Ausdruck der “Ignoranz” nicht eher Ausdruck eines Nicht – Begreifen – Können und Nicht – Begreifen – Wollen ist und wir dann nicht eher andere AnsprechpartnerInnen, GestalterInnen und Diskutierende brauchen.
    Denn nach dem sehr fraglichen, ineloquenten Feedback, das wir bis heute haben, kommt für mich hier reine, normativ, rational, objektiv und inhaltlich betrachtet, Unfähigkeit, korrupter Dilettantismus und Dummheit von “blöden” HäretikerInnen zum Ausdruck.
    So stellt sich für mich die Frage, ob und wenn ja, bei wem wollen wir Rücktritt und Neubesetzung fordern ?

Kommentar zu Montag: Bildungsstreikauftakt in Wuppertal ‹ aber aber Arne … abgeben